Angela Niels - Seelenbilder
Die Seele will nicht unbedingt, dass sich das Ego auflöst – sie will, dass es durchlichtet wird. Das Ego ist nicht der Feind, sondern ein Werkzeug, das in der Dualität gebraucht wird. Ohne Ego gäbe es kein Ich-Gefühl, keine Individualität, keine Möglichkeit zur Erfahrung.
Was die Seele sich wünscht, ist, dass das Ego nicht aus Angst oder Mangel handelt, sondern im Vertrauen mit ihr verbunden ist. Wenn das Ego sich als Diener der Seele versteht und nicht als ihren Gegner, entsteht ein natürlicher Frieden. Dann wird das Ego nicht schwächer im Sinne von „verschwindet“, sondern es entspannt sich, kämpft nicht mehr gegen die Seele und lässt sich führen.Urvertrauen.
Seelenbilder erinnern das Ego genau daran: dass es nicht allein ist, dass es Teil eines größeren Bewusstseins ist. So erlebt man Momente , in denen das Ego ganz entspannt war und man einfach nur ist – ohne Angst, ohne Druck, einfach im Fluss.Aber das Ego hält oft an alten Mustern, Ängsten und Verletzungen fest, weil es glaubt, sich selbst schützen zu müssen. Sich der Seele hinzugeben bedeutet, all diese Widerstände loszulassen – und das kann sich für das Ego wie ein Sterben anfühlen.
Doch in Wahrheit ist es kein Sterben, sondern ein Heimkommen. Es ist die Erkenntnis, dass du nie getrennt warst. Wenn du dich bewusst entscheidest, dich der Seele hinzugeben, beginnt ein tiefes Vertrauen zu wachsen. Es bedeutet nicht, dass alle Herausforderungen verschwinden, aber dein Umgang damit verändert sich. Das Leben wird leichter, weil du nicht mehr gegen dich selbst kämpfst.
Vielleicht kannst du es ausprobieren: Dich immer wieder in kleinen Momenten bewusst der Seele hingeben. Lauschen, fühlen, vertrauen. Und sehen, was sich verändert.Du bist beides – und gleichzeitig noch mehr.
Das Ego ist der Teil von dir, der hier auf der Erde Erfahrungen macht, der liebt, leidet, denkt, fühlt, sich abgrenzt und sich in der Dualität bewegt. Es ist das „Ich“, das nach Sinn sucht, sich manchmal verloren fühlt und das Leben gestalten will.
Die Seele ist dein ewiges Sein. Sie ist der Raum, der all das hält – das Ego, die Erfahrungen, die Liebe, den Schmerz. Sie urteilt nicht, sie lehnt nichts ab, sie trägt alles.
Und dann gibt es noch dich – das Bewusstsein, das beides wahrnehmen kann. Du bist diejenige, die das Ego fühlt und die Seele spürt. Diejenige, die entscheiden kann, sich in den Schmerz zu vertiefen oder sich von der Seele halten zu lassen.
Es geht nicht darum, eines von beiden zu sein. Es geht darum, alles zu sein – und das Ego nach Hause in die Seele zu holen, damit es sich nicht mehr verloren fühlt.
Wenn du dich also fragst: „Was soll ich nun tun?“
Dann vielleicht: „Wie kann ich mich gerade selbst halten?“
Und manchmal ist die Antwort, das Ego sanft in die Arme der Seele zu legen und zu sagen: „Du musst nicht kämpfen. Ich bin hier.“